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Von Franken nach Hessen

 

Oetinger VillaInzwischen ist die Radtour in Darmstadt eingetroffen und hat die altehrwürdige Oetinger Villa - heute ein alternatives Jugendzentrum - in Beschlag genommen. Matten, Schlafsäcke und Packtaschen in allen Ecken; Zelte stehen als Farbtupfer zwischen uralten Bäumen. Nicht zu glauben, dass diese mächtigen Bäume der Nordostumfahrung Darmstadt zum Opfer fallen sollten! Die sollte nämlich unter dem Terrain durch einen Tunnel führen, für Baumwurzeln wär dann natürlich kein Platz mehr.

Nach den anstrengenden beiden Etappen ab Würzburg - 60km hügelig bei 35°C im Schatten - hielten sich Hitze und Steigungen heute in Grenzen. Den Spessart haben wir nun ganz hinter uns gelassen, den Odenwald am Rande gestreift. In der Ferne konnten wir schon Frankfurt erspähen. Mit großen Gewerbegebieten buhlen die Gemeinden um Arbeitsplätze, Wohngebiete sind großzügig angelegt - passend dazu die gut ausgebaute Straßen-Infrastruktur.

Die gut 120 RadlerInnen fahren durch die Orte und schmettern "Mobil ohne, ohne Auto mobil", Die Aufforderung "Komm steig um, in die Bahn" hat einen Haken: ob in Großostheim bei Aschaffenburg oder in den hessischen Gemeinden Groß Zimmern und Roßdorf - es gibt hier keine Bahn mehr! Busse stehen im Stau und stoßen einfach an ihre Kapazitätsgrenzen, die Idee einer Bahnreaktivierung gewinnt an Attraktivität. Es bleibt also zu hoffen, dass sich die Vernunft durchsetzt!

Stadt Marburg untersagt das Demonstrieren auf der Stadtautobahn, wir wehren uns!

Raddemo auf der A44, Kassel 2008

Gestern erreichte die Tour-Organisatoren die schlechte Nachricht: Die Stadt Marburg untersagt am 10. August das Befahren der 5,5 km langen "Stadtautobahn" B3 in Marburg. Genau hier aber will die Radtour mit rund 150 bis 200 Teilnehmern gegen die Verlärmung der Marburger Innenstadt und für Alternativen in der Verkehrsplanung demonstrieren! Deshalb haben die Organisatoren sofort Widerspruch eingelegt.

Der Schlussspurt über die B3 in Marburg stellt nämlich einen Höhepunkt der diesjährigen Tour de Natur dar, hier möchte die Umwelttour zusammen mit zahlreichen Marburgerinnen und Marburgern darauf hinweisen, dass Verkehrsprobleme auch anders gelöst werden können. 30 Minuten lang wollen die Radlerinnen und Radler für Ruhe auf der autobahnähnlichen, 4-spurig mit Mittelleitplanke ausgebauten Straße sorgen - die sonst für Dauerlärm sorgt! Weniger Lärm bedeutet ein mehr an Lebensqualität für Marburg. Bei der geplanten Demo mischt auch die Bürgerinitiative „Stadtautobahn“ mit, die sich vor Ort dafür einsetzt, das innerstädtische Teilstück der B3 unter die Erde zu bringen.

Entlang der Frankenbahn nach Würzburg

Räder ordentlich in der Turnhalle geparktNach einer trockenen Nacht starten wir bei sehr angenehmen Radelwetter von Tauberbischofsheim Richtung Würzburg. Die Strecke selber lässt sich sehr schön entspannt radeln.Ein paar Kilometer radelt auch der Bürgermeister von Gaubüttelbrunn mit, der uns einen sehr kreativ angelegten Radweg vorstellt. Hier konnte man unter anderem eine Wasserfontäne mit einem Fahrrad in Gang setzen. Der Vormittag vergeht ohne Infostopps einmal sehr entspannt unterhaltsam und wir schaffen dadurch schon die halbe Etappe. In Gaubüttelbrunn verbringen wir unsere Mittagspause. Hier konnte man einen Steinbruch besichtigen, der nicht mehr in Betrieb ist, aber von Künstlern mit vielen verschiedenen Steinskulpturen versehen wurde und dadurch nun sehr bekannt geworden ist. Gegen 17 Uhr erreichen wir das schöne Würzburg. Die Silhouette der Stadt mit ihren barocken Bauten wirkt sehr einladend und fast schon südländisch. In der Stadt selber empfängt uns der Klimabeauftragte der Stadt, der sicher gute Chancen hätte als langweiligster Redner einen Preis zu gewinnen. Er will uns weiss machen, dass die Stadt Würzburg schöne neu angelegte Radwege zu bieten hat. Bei unserer nächtlichen kleinen Tour in die City stolpern wir allerdings über sehr viele Mißstände, da Radwege nicht durchgängig sind , sondern häufig im Nirgendwo enden. Ausserdem lässt die Beschilderung sehr zu wünschen übrig. Wir finden ein einziges Schild Richtung Centrum, dass aber offensichtlich für Autofahrer gedacht ist.

120 Räder in den 1. Stock der Turnhalle, Menschen in den 1. und 2. Stock

Auf den Spuren von Kombi-, Franken- und Taubernbahn

 

Es geht beim sommerlichen Temperaturen weiter nordwärts Richtung Würzburg. Die Tour de Natur stoppt, um mehr zu erfahren, was in Sachen Stadtbahn Heilbronn geschieht. So erfuhren wir, dass 2001 die erste Strecke dieser Kombibahn eröffnet wurde. Mittlerweile gibt es 140 km, wobei nur 8 km neu gebaut werden mußten.

Vorteil dieser Kombination zwischen S-Bahn und Stadtbahn ist, die schnelle Anbindung Umland - Zentrum, Komfort und Geschwindigkeitsgewinn durch weniger Umstiege, sowie die Stärkung der von Stilllegung bedrohten Strecken. Kompliziert machen diese monderne Verkehrsführung nicht nur die unterschiedlichen Stromarten und Spurweiten von Stadtbahn und S-Bahn, sondern es gilt die unterschiedlichen Streckennetze und Betreiberverhältnisse zu koordinieren.

Wie wichtig hier die Vorreiterrolle von Heilbronn ist, erfuhren wir auf unserer weiteren Tour an den Bahnhöfen in Lauffen, Möckmühl und Lauda-Königshofen.

DGB für Ausbau der Bahn

Silke Ortwein vom Deutschen Gewerkschaftsbund erläuterte in Möckmühl: "Dass die Strecke ertüchtigt und die im Krieg zerstörte Brücke 2-gleisig ausgebaut wurde, ist sehr bedeutsam, damit die Auszubildenden und ArbeiterInnen pünklich zu den örtlichen Firmen kommen. Und nicht nur die durch die Konventional-Strafe getriebenen Güterzüge pünklich und im Takt fahren."

Die Tour ist gestartet!

Tour fährt durch Lauffen

Prof. Monheim, unser diesjähriger SchirmherrGestern gab es zum Auftakt der Tour de Natur 2013 in Stuttgart eine "Beerdigungs-Zeremonie", die alle öffentlich finanzierten Aufgaben einbezog, die bei dem geplanten Neubau des Stuttgarter Bahnhofs S21 mangels Geld einfach sterben könn(t)en: "Bildung", "Renovierung verfallener Bahnhöfe", "Energiewende", "pünktliche S-Bahnen". Im gleichen Sinne warnte unser Schirrmherr Prof. Dr. Heiner Monheim bei seiner Begrüßung: „Die Mittel, die in Stuttgart verbuddelt werden, werden in allen anderen Bahnprojekten fehlen." Positiv äußerte sich Prof. Monheim, wie schon in seinem Grußwort, zum Radverkehr. Auf den Distanzen über 10 km hat dieser sich in den letzten Jahren verdreifacht. Das Mobilitätsverhalten ändert sich, viel häufiger sind Trikes =Dreirädrige Fahrräder und Pedelecs zu sehen. Solche Änderungen erfordern laut Monheim einfach auch anders gebaute Radwege.

Im Anschluss gab es eine Fahrrad-Demo der Naturfreunde Radgruppe zu den Schwachpunkten in Stuttgarts Verkehrsnetz. Wegen des schwül-heißen Wetters (oder des parallel stattfindenden CSD waren nur ca. 200 TeilnehmerInnen dabei.

Und nicht zuletzt war der Anstieg zum 150 m höher gelegen Quartier die erste sportliche Herausforderung für die Tour de Natur 2013!

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