13. Tag TdN 2026, Donnerstag, 06.08.: von Eisenach nach Cobstädt (55 km)

Informationen über die Region

Von Eisenach führt die Route nach Osten. Im Nordosten erhebt sich der Hainich, das größte zusammenhängende Laubwaldgebiet Deutschlands, dessen südlicher Teil als Nationalpark ausgewiesen ist und von dem Teile als Weltnaturerbe (UNESCO) anerkannt worden sind. Im Süden geht es hinauf auf den Thüringer Wald.

Bei Sättelstadt weitet sich das Tal der Hörsel und geht über in das Thüringer Becken.

Mit Gotha wird die zweite Stadt der Thüringer Städtekette erreicht. Architektonische Dominanz geht von den weitläufigen Anlagen des frühbarocken Schlosses Friedenstein aus, in den vier Museen untergebracht sind, u.a. das Museum der Natur, eine Fortführung des einstmaligen Naturalienkabinetts. Im Perthes-Forum, einem aufwändigen Umbau des einstmalig renommierten Verlagshauses am Schloss, wird die Geschichte der Karthographie dokumentiert.

Größter Arbeitgeber war bis 1989 die Gothaer Waggonfabrik, in der u.a. Straßenbahnfahrzeuge gebaut wurden. Nach dem Verkauf durch die Treuhand reduzierten zwei Investoren die Fabrikation und die Beschäftigtenzahl massiv.

Cobstädt ist ein kleines Dorf im Thüringer Becken. Dort wurde von einer Gruppe engagierter Personen im Jahr 2007 der Verein „Lebensgut“ gegründet und mit dem Aufbau eines Öko-Landschaftsparks begonnen.

Etappenbericht

Schon wieder ein warmer Sommervormittag. Die Tour startete aus Eisenach hinaus in Richtung Osten. Der erste Pausenstopp wurde am Dorfplatz von Mechterstädt eingelegt.

Pausenstopp in Mechterstädt

Etwas außerhalb des Dorfes gab es einen Infostopp am Gedenkstein für die Opfer eines mehrfaches Mordes, den Mitglieder des Marburger Studentenkorps an 15 Arbeitern aus dem Nachbarort im Jahr 1920 verübt hatten. Die Arbeiter saßen in einer Kneipe, es waren christlich konservative Bürger, keine Anhänger revolutionärer Gruppen. Die Arbeiter wurden über die Landstraße von den bewaffneten Studenten getrieben und rücklings erschossen.

Denkmal an die Morde von Mechterstädt

Ähnliche Morde hat es im Zusammenhang mit dem Kapp-Putsch mehrfach gegeben, der sich gegen die Entstehung der ersten Deutschen Republik, der sog. Weimarer Republik, richtete. Eine gerichtliche Anklage gegen die Täter endigte mit Freispruch, da die Richter meinten, trotz eindeutiger Beweislage kein Verbrechen feststellen zu können. Sie sollen gleichfalls den damaligen reaktionären Bewegungen angehört haben.

Die TdN hatte über diese Morde bereits bei der Rundfahrt durch Marburg erfahren, denn an der Stützmauer der Alten Universität wird mit einer Mahntafel darauf aufmerksam gemacht.

Hinter Mechterstädt ging es stetig hinauf auf einen Hügel dieser schönen, weil welligen und immer wieder gegliederten Agrarlandschaft im Thüringer Becken. Jene riesigen, die Feldmark ausräumenden Flurstücke, die nach der Bodenreform der Sowjetischen Militäradministration und der nachfolgenden Kollektivierung sowie Industrialisierung der DDR-Landwirtschaft in LPGs vor allem in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und tw. auch in Sachsen-Anhalt entstanden sind, sind hier im südlichen Thüringen weniger dominant.

Die Route führte bergauf …
… und wieder bergab.

Die Mittagspause konnten die Touries auf dem Areal der idyllisch in einem stillen Tal gelegenen Hofkäserei Burgmühle Haina verbringen. Es gab reichlich Salat, dazu eine Gemüsesuppe und Brot mit Aufstrichen. Zur Ergänzung griffen etliche Touries auf die Käsetheke im Hofladen zurück.

Hofkäserei Burgmühle Haina

Kurz vor Haina: Tiere blickten auf die Tour de Natur! Mindestens 2 PS wollten sich spontan anschließen, wurden aber aus ernährungsphysiologischen Gründen zurückgewiesen. Wam’s Küche konnte nicht hinreichende Heuversorgung (vulgo Sättigungsbeilage) zusagen. Die im Dauerangebot befindlichen Gemüseeintöpfe führen im Pferd zum lebensbedrohlichem Meteorismus (Blähbauch), während sich des Menschen Gedärm lauthaft protestierend zu adaptieren vermag.

Tiere blicken auf die Tour de Natur

Weiter ging es durch die hügelige Landschaft in Richtung Gotha. Viele Kornfelder sind schon abgeerntet. Gelegentlich fuhren noch riesige Mähdrescher, eine riesige Staubwolke hinter sich lassend, über die goldgelb leuchtenden Weizenfelder.

Unterwegs durch die Weizenfelder nach Gotha

Nach Umrundung des eindrucksvollen, von Popmusik stark beschallten Marktplatzes von Gotha schwenkte die Tour zum Buttermarkt ein. Dort wurden die Transparente ausgerollt und mehrere Songs vom Tourorchester und -chor zu Gehör gebracht. Die zentrale Botschaft las sich so und hörte sich auch so an: Wir – die Radfahrenden – sind der Verkehr der Zukunft!

Einfahrt zum Gothaer Marktplatz mit Blick auf das Schloss
Kundgebung am Buttermarkt

Schräg gegenüber konnte für Wam’s Küche eingekauft werden: Bei Feines und Loses gab es leckeres Bio-Brot.

Broteinkauf bei Feines und Loses in Gotha

Sebastian demonstrierte am Buttermarkt die Multifunktionalität von Lastenrädern.

Mittagsruhe am Buttermarkt

Die letzte Etapppe des Tages war aus zwei Gründen gut zu radeln: Die Landschaft vor Erfurt ist ziemlich flach und der Wind war – wie im Verabschiedungslied gewünscht – im Rücken der Touries und schob angenehm zum Ziel. So trafen alle recht munter auf dem LebensGut Cobstädt ein. Auf dem weitläufigen Areal konnte überall gezeltet werden. Ein Lehmbau bot überdachtes Quartier auf Grasnarbe.

Küche, Zelte und Versammlung auf der Streuobstwiese gegen Abend …
… und am Morgen
Schlafquartier in der Stroh-Lehm-Scheune
Die Dachkonstruktion des Lehmgebäudes

Um 19:30 begann Nele ihre Führung durch die benachbarte Gemüsewerkstatt Grünschnabel, die aus einem Gartenbaubetrieb hervorgegangen ist und als Solidarische Landwirtschaft (SoLaWi) arbeitet. Auf einer Ackerfläche von 1,5 ha werden Gemüsepflanzen angebaut, tw. unter Folie (Insektenschutz für die Kohlarten und früheres Wachstum). Beschäftigt sind 5 Personen, die von April bis Dezember hier arbeiten. Die gesamten Betriebskosten werden von den monatlichen Beiträgen der Ernteteiler:innen getragen, was in sog. Bieterversammlungen erreicht wird, nicht immer in der ersten, aber dann doch nach wenigen Runden, in denen jedes Mitglied seinen ihm leistbaren Beitrag festsetzt.

Alle Pflanzen, die hier unter Bioland-Zertifizierung angebaut werden, müssen durchweg wegen der extremen Trockenheit bewässert werden. Das gilt für die Kräuter und Gemüsepflanzen (Salat, Mangold, Buschbohnen, Kürbis, Sellerie u.a.) in den langen Beeten und selbstverständlich auch für die Tomaten, Gurken, Auberginen und Stangenbohnen in den Gewächshäusern.

Im Reich der üppig tragenden Tomaten

Die Anbaufläche umfasst 1,3 ha. Ungefähr 120 Mitglieder zahlen monatlich ca. 100 Euro, um damit den Betrieb zu finanzieren. Sie erhalten pro Woche eine Gemüsekiste, die an Verteilstellen geliefert wird bzw. dort aus größeren Gebinden von den SoLaWi-Mitgliedern selbst zusammengestellt wird.

Am Abend war eingeladen in die Erdklangschale, ein kleines Amphitheater, zu einem Konzert von Linda Trillhaase mit anschließender Jam-Session. Die Dämmerungswärme war noch spürbar, trockenes Holz brannte raucharm unten in der Feuerschale und lieferte die später gern empfangene Zusatzwärme, die Sonne ging unter – eine wunderbare Stimmung konnte sich ausbreiten.

Linda, munter und gut gelaunt, trug mehrere Songs vor, begleitete ihre schöne Stimme mit dem Akkordeon, sang auch mal zu ihrem Geigenspiel mit elektronischem Hintergrundsorchester, lud dann weitere Musizierende ein und so kamen das Gitarrenspiel von Wilfried dazu, das Geigenspiel von Uli, eine helle Flöte, Astrids Gitarre, Alberts Akkordeon und noch dies und das und natürlich die vielen Touries, die gern mitsangen. Ein wunderbarer Abend an so besonderem Ort! Und dazu passend: das gemeinsam gesungene Abendlied, das die Touries in die Zweistimigkeit übergehen ließen:

Wenn der Abend wieder – seine Stille breitet,
schenkt die Nacht dem Mond – ein Haus,
reicht die Zeit dem großen Ganzen – ihre Hände,
viel gesagt, wir geh’n nach Haus.

Ich sing‘ mein Abendlied,
ich sing‘ mein Abendlied.

Akkorde: C G d F

Linda Trillhaase und die TdN in der Erdklangschale