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11. Tag TdN 2026, Dienstag, 04.08.: Von Heringen nach Eisenach (50 km)
Informationen über die Region
Die Route folgt der Werra, deren Tal sich nördlich von Heringen zum Berka-Gerstunger Becken weitet, an das im Osten die Ausläufer des Thüringer Waldes grenzen. Die Grenze zwischen der einstmaligen DDR und der BRD verlief hier mitten im Fluss. Berka lag in der sog. 5-km-Sperrzone, deren Bewohner überwacht, tw. bei vermuteter Unzuverlässigkeit umgesiedelt wurden. Der Zutritt wurde streng kontrolliert.

In Hörschel mündet die Hörsel in die Werra. Der Hörsel folgt die Route durch das recht enge Tal nach Eisenach. Im Westen von Eisenach liegt das Opel-Werk, dessen Vorgänger zu DDR-Zeiten den Wartburg produzierte.
Im Osten grenzen die Hörselberge an die Stadt.
Eisenach liegt am Fuße des Thüringer Waldes, dessen stadtnahe Erhebung, der Burgberg, die Wartburg trägt, die einstmalige Hauptresidenz der Landgrafen von Thüringen. Besonders bekannt ist die Wartburg als Wohnsitz der nach Marburg geflohenen Grafentochter Elisabeth (1221-1227), als „Versteck“ von Martin Luther, der hier (1521/22) das Neue Testament der Bibel ins Deutsche übersetzt hat, als Protestversammlung (1817) von Studenten und Professoren gegen die reaktionären Feudalherrscher und für einen Deutschen Nationalstaat sowie als Studentenversammlung zum zweiten Wartburgfest (1848), auf dem die akademische Freiheit der Universitäten von der Frankfurter Nationalversammlung gefordert wurde.
Eisenach gilt auch als Bach-Stadt. Hier verbrachte Johann Sebastian die ersten zehn Lebensjahre. Im Bachhaus (2007 als futuristischer Neu- bzw. Anbau eingeweiht) wird seine Biographie in „musikalischen Lebensstationen“ gezeigt.
1869 gründeten August Bebel und Wilhelm Liebknecht in Eisenach die Sozialdemokratische Arbeiterpartei, aus der 1890 die SPD hervorging.
Etappenbericht
Am Morgen gab es eine kleine Überraschung: Es regnete, aber nur noch kurze Zeit, und so konnte das Frühstück schon wieder draußen um und vor dem Dorfgemeinschaftshaus eingenommen werden.

Die TdN blickt auf den Kali-Berg Der Anblick der Produktionsanlagen und noch viel mehr der Abraumhalden bei Heringen war beeindruckend. Es gab in Heringen einen Info-Stopp, auf dem Matthias zunächst die Produktionstechnik von K&S und deren Folgen für die Werra (Einleitung von Salzlauge) und für die Umgebung (Aufschüttung von Resthalden, max. Höhe: 200 m über Landschaftsniveau) sowie das Entstehen von Erdbeben (Folge von Laugenverpressung zur Zeit der DDR, wurde aufgeben). Der Vertreter der mit dem BUND kooperierenden Bürgerinitiative Für ein lebenswertes Werratal konnte leider nicht zu diesem Info-Stopp dazu kommen.

Infostopp an der Werra in Heringen Ommo ergänzte um die historische Dimension des Kali-Bergbaus, der im 19. Jh. begonnen hat. Besonders heikle Auswirkungen der Werra- und in Folge der Weser-Versalzung entstanden in Bremen, dessen wesernahe Trinkwassergewinnung durch den hohen Salzgehalt des Flusses gefährdet wurde. So wurde ein Kompromiss geschlossen: Kali & Salz nutzen die Bremer Häfen für den Export und Bremen bauten eine ca. 200 km lange Rohrleitung (Fertigstellung 1934), um aus der Söse-Talsperre im Harz Trinkwasser zu transportieren.
Vor Dankmarshausen wurde eine Pause eingelegt an einem Gedenkort: Die Geschichtswerkstatt Kutzner erinnert mit einer Stele und einen Zaunelement an die von der DDR errichteten Grenzanlagen. Zwei Touries erzählten von ihren Kindheitserfahrungen mit den Reisen in und durch die DDR (als Wessis) und von den Paketkontrollen, die in der DDR für Westpakete durchgeführt wurden – und von willkommenen Weihnachtsgeschenken (Kaffee, Jeans etc.).

Erinnerungsort DDR-Grenzanlagen Nach Verlassen der Kaliberglandschaft ging es weiter zum Feuchtbiotop Rhäden-Wildeck; hier gab es einen Info-Stopp mit Exkursion zu den Teichen, an denen sich viele Wasservögel (ca. 200 Arten) angesiedelt haben. Zugleich dient dieses Auenwaldgebiet als Quartier für Zugvögel.

Baumallee im Auenwald Die kleine Radtour führte über eine wunderschöne Baumallee inmitten des Auenwalds zu dem großen Aussichtsturm, der einen eindrucksvollen Blick auf die Teiche gibt. Im Hintergrund: der Kali-Berg.

Blick auf den Rhäden Die Mittagspause fand am und im Freibad von Gerstungen statt. Viele Touries nutzten diese Gelegenheit zum Abkühlen an diesem heißen Sommertag.
Es gab einen weiteren Pausenstopp, am Ufer der Werra, mit Toiletten und Wasserzapfanlagen. Einige Touries nahmen ein Solebad, dessen heilsame Wirkung noch nicht nachgewiesen ist. Daran wird aber intensiv gearbeitet, denn ab 2028 (s. o.) soll der Salzgehalt deutlich erhöht und damit vielleicht endlich auch die therapeutische Nutzung der nachgesalzenen Werra in Gang gebracht werden. Kurgäste müssen allerdings mit der Präsenz von Fremden rechnen: salzliebende Pflanzen und Kleintiere immigrieren und verdrängen die autochtone Bevölkerung. Massenhafte Remigrationspläne seien bereits in Vorbereitung.

Solebad in der Werra Bei großer Hitze wurde weiter geradelt, durch das Tal der Werra. Bei Hörschel mündet der gleichnamige Fluss in die Werra, die sich durch einen engen Taleinschnitt zwängt. Dieses Tal wird von einer imposanten Autobahnbrücke gequert, die schon zur Nazi-Zeit geplant und vorbereitet wurde, dann zur DDR-Zeit tatsächlich gebaut wurde, mit erheblicher Bezuschussung durch die BRD. In der Nähe machte die Tour eine Pause.

Pausenstopp vor der A4- bzw. Werra-Brücke Nun schwenkte die Route in das Tal der Hörschel ein. Bald schon erhob sich vor den Touries die Wartburg – nein, die Burg blieb auf dem Berge hocken, aber die Touries kamen ihr näher.

Blick auf die Wartburg Bei ihrer Ankunft in Eisenach umrundeten die Touries zunächst mehrfach den Marktplatz. Die Öffentlichkeit wurde durch das Tour-Lied begrüßt. Anschließend richtete Steffen Liebendörfer, Bürgermeister von Eisenach, freundliche und informative Worte an die Touries. Dass Eisenach eine Stadt mit Automobilproduktion sei, das ist bekannt. Adam Opel, der einstmalige Begründer der Firma, sei allerdings Radfahrliebhaber gewesen. Die von ihm begonnene Fahrradproduktion in Rüsselsheim avancierte in den 1920er Jahren zum weltweit größten Hersteller. 1980 wurde der Opel-Produktionsstandort Eisenach gegründet.

Begrüßung der TdN auf dem Marktplatz von Eisenach durch den Bügermeister In der großen Nachmittagshitze schoben die Touries ihre Räder durch die Karlstraße, die zentrale Fußgängerstraße der Stadt. Dann wurde wieder auf die Räder gestiegen und zum Quartier, der Oststadtschule geradelt. Hier gab es Platz für Zelte und eine kaum aufgeheizte, große Turnhalle zum Schlafen – und 2 x 4 = 8 Duschen!
Am Abend fand – mittlerweile zum fünften Mal – das beliebte „Menschen und Geschichten“ statt, das Paul moderierte. Zunächst wurde zurückgeblickt auf die 50 Monate, die seit der letzten Tour vergangen sind. Was hat sich an den Orten, die die Tour aufgesucht hatte, an günstiger oder ungünstiger Entwicklung eingestellt, bei den dortigen Initiaven, BIs, Verkehrsplanungen, Projekten etc.
Dann wurde aus der Runde nach den Menschen gefragt, die an der diesjährigen Tour nicht teilnehmen und die von Teilnehmenden vermisst werden. Dabei wurde auch deutlich, dass wir alle älter werden: Einige Tourteilnehmer sind aufgrund von Krankheit oder Gebrechlichkeit oder auch von kognitiver Einschränkung nicht mehr in der Lage, an einer doch auch anspruchsvollen Radtour wie der TdN teilzunehmen.
Die dritte Runde widmete Paul sehr einfühlsam denjenigen, die mal Touries waren und in den zurückliegenden 50 Wochen verstorben sind. Er entzündete eine Kerze, auf die die Touries im milden Abendlicht die Blicke ebenso richten konnten wie in sich selbst, in Erinnerung an diese fünf Menschen, deren Tod von einigen Touries sehr bedauert wird und von vielen mit nachdenklicher Stimmung aufgenommen wurde.
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10. Tag TdN 2026, Montag, 03.08.: von Richthof nach Bad Hersfeld und weiter nach Heringen (40 km)
Informationen über die Region
Bad Hersfeld ist ein Kurort, der an der Fulda gelegen ist. Am Rand der Innenstadt liegt die Ruine der Stiftskirche, in der allsommerlich die Hersfelder Festspiele aufgeführt werden (insbes. Opern). Mehrere Kur- bzw. Spezialkliniken liegen im Stadtgebiet.
Vom Fuldatal ausgehend quert die Route den Seulingswald und gelangt dann in das Werratal. Werra und Fulda treffen in Hannoversch Münden zusammen und bilden dort die Weser.

Das Werratal folgt dem Südwesthang des Thüringer Waldes. Bei Philippstal und bei Heringen wird auch weiterhin von K+S salzhaltiger Abraum auf die riesigen, das Landschaftsbild dominierenden Halden gekippt (Monte Kali bei Heringen, überragt um 260 m das Gelände). Einen kleinen Teil davon trägt der Wind in die Umgebung und versalzt damit die Wiesen- und Ackerflächen. Einen beträchtlichen Teil davon nimmt das Niederschlagswasser auf, das zur Versalzung der angrenzenden Fließgewässer (letztlich: der Werra) führt, in die auch salzhaltige Produktionsabwässer eingeleitet werden. Das Fördergebiet bei Heringen ist/war das größte Kaliabbaugebiet der Welt.
Heringen war und ist noch immer wie die anderen Gemeinden mit Kalischächten ein Industriestandort mit vielen Arbeitsplätzen. Mittlerweile wurde auch eine touristische Nutzung der Kaliindustrie geschaffen. Es gibt ein Werra-Kali-Bergbau-Museum in Heringen, das Erlebnis-Bergwerk in Merkers und geführte Touren auf den Monte Kali.
Etappenbericht
Ein sommerwarmer Morgen begann auf dem Richthof. Es gab mehrere Dankesworte an die Lebensgemeinschaft. Paul hob hervor, dass es sicherlich auch im Sinne der sozialen Dreigliederung gesehen werden kann, dass die Lebensgemeinschaft die TdN zu sich in solch ein komfortables Quartier eingeladen hat. Das nennt sich Brüderlichkeit, die eine der drei Forderungen der Französischen Revolution. Von diesem Prinzip des Wirtschaftslebens profitierte auch die Lebengemeinschaft, als sie den Richthof im Rahmen ihrer finanziellen Möglichkeiten übernehmen konnte.
Gudrun Gabriel ihrerseits dankte der TdN für ihre Aktionen. Sie sieht darin einen direkten und persönlich verantworteten Beitrag zum Erhalt der lebenswerten Welt.
Es wurde ein sehr heißer Vormittag im Fuldatal, mit schönen Ausblicken über das Tal, das hier noch nicht so extrem überbaut ist wie bei Hersfeld und Fulda, wo diverse Logistik-Unternehmen autobahnnah riesige Hallenbauten errichtet haben, die die Landschaft versiegeln.
Die Route führte entlang einer eindrucksvollen Eichenallee. Im Hintergrund: die Brückenbaustelle.

Eichenallee Wie marode Autobahnbrücken werden, wenn sie „alt“ geworden sind, ließ sich unterwegs auch zweimal anschauen. Hier finden, für jeweils eine Fahrtrichtung, im laufenden Betrieb Neubauten statt, die sehr viel Steuergeld verbrauchen.
Hinter Niederaula weitet sich das Fuldatal. Die Route führte meist leicht am Hang entlang, was immer wieder kleine Anstiege – und Abfahren – brachte.

Unterwegs im Fuldatal In Bad Hersfeld versammelten sich die Touries auf dem Platz vor der Lokalzeitung, der HZ. Eine Redakteurin kam bald schon auf die Tour zu und bat um ein Gruppenfoto, das ihren Bericht über die nachfolgende Aktion und das Programm der TdN illustrieren soll.

Gruppenfoto vor der Hersfelder Zeitung Dann begann die Critical Mass, der sich an diesem Tag die TdN anschloss. Geradelt wurde eine der üblichen Rundstrecken durch die Stadt.
Die Mittagspause (2 h) fand vor der Stadthalle statt, von der aus der Kurpark direkt zu erreichen ist.
Die nachmittägliche Etappe führte über zwei Steigungsstrecken. Während des ersten Anstiegs fing es an zu donnern und zu regnen. Das brachte angesichts der hochsommerliche Hitze einerseits eine wohltuende Abkühlung, andererseits lässt sich in Regenbekleidung bei über 30 Grad im Schatten und an einer Steigung nur unter großen Anstrengungen und das heißt für die Bio-Bike-Radler: sehr langsam, die Strecke bewältigen. Das Wasser in den mitgeführten Flaschen wurde knapp. Immerhin war dieser langezogene Anstieg ohne Autoverkehr möglich, denn die Straße war wegen Brückenbaus gesperrt – nicht jedoch für die Radler.
Endlich oben – in Friedewald – angekommen, kühlten sich viele Touries, vor allem die Kinder, am Dorfplatz an den kleinen Fontänen ab. Andere radelten zum Supermarkt.
Es war dann nicht mehr weit zum Übernachtungsquartier. Das Gemeinschaftshaus in Herfa bot nicht ganz so viel Platz wie andere Quartiere dieser Tour, dafür gab es eine schöne Zeltwiese unterhalb des Gebäudes.
In der Abendveranstaltung referierte Kai über das Bauvorhaben Südlink. Viele Experten gab es auch unter den teilnehmenden Touries, die sich mit kritischen Fragen, Kommentierungen und Ergänzungen beteiligten. Zur Energiewende gehört notwendig der Ausbau des Höchstspannungsnetzes. Es gibt vier Betreiber, die die Regionen bzw. Trassen untereinander aufgeteilt haben. Da hier Monopolstrukturen bestehen, überwacht die Bundesnetzagentur diese Betreiber. Warum dieser so wichtige Bereich der „Daseinsfürsorge“ nicht verstaatlicht wird (einstmals Vorschlag von Robert Habeck), bleibt eine offene Frage.

Abendvortrag von Kai zu Südlink/Höchstspannungsnetze Erstaunlich: Südlink ist auch das größte archeologische Suchprojekt in Deutschland. Ungefähr 100 Fachpersonen arbeiten an der Trasse.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Erdkabelverlegung erheblich teurer als die Mastenverlegung sowie das erstere wenig umweltschädigend und hinreichend wartungsfähig ist. Da jedoch der Stromverbauch insbesondere aufgrund der Elektrifizierung von Heizungsanlagen (Wärmepumpen) sowie von Fahrzeugen (E-PKW/LKW; E-Busse und Akku-Züge) mittelfristig eine Verdoppelung bringen wird, werden die derzeitig geplanten Netzkapazitäten nochmals erheblich erweitert werden müssen.
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9. Tag TdN 2026, Sonntag, 02.08.: Von Treysa nach Richthof südwestlich von Bad Hersfeld (55 km)
Informationen über die Region
Treysa liegt in der Schwalm, einer Niederung des gleichnamigen Flüsschens, an die sich im Osten die Gebirgsformation des Knüll anschließt. Die Schwalm ist ein Nebenfluss der Eder, welche in die Fulda, einen Quellfluss der Weser, mündet. Zwischen Kirchhain und Treysa ist somit eine Wasserscheide zu überqueren, denn die dortige Ohm fließt der Lahn und damit dem Rhein zu.
In der Europäischen Ethnologie (vulgo Volkskunde) ist die Region der Schwalm bekannt für ihre Trachten. Davon ließen sich auch die Brüder Grimm beeindrucken, die – gemäß ihrer Selbstdarstellung – insbesondere in Oberhessen die mündlich tradierten Märchen sammelten. So interessierte sich der in Marburg um wohnende Otto Ubbelohde für die nordhessischen Trachten und zog der Figur Rotkäppchen eine auf diese Region verweisende Tracht an, was in einer vielverkauften Ausgabe von 1908 – also ca. 50 Jahre nach dem Tod der Brüder Grimm – abgedruckt wurde. Beides hat die Forschung als nicht stimmig erwiesen: Weder zogen die Grimms über die Dörfer, um Märchenerzählungen zu dokumentieren. Sie übernahmen weitgehend bereits vorhandene Dokumente, im Falle Rotkäppchens „Le Petit Chaperon Rouge“ von Charles Perraults (in Contes de ma Mère l’Oye, 1695/1697), noch gehört die rote Kappe zur Ausstattung der Schwalmer Kindertrachten. Desungeachtet werben die Tourismusverbände der Region für das „Rotkäppchenland“.
Die heutige Etappe führt über den sog. Bahnradweg Rotkäppchenland, den Knüllradweg, der auf der Trasse der stillgelegten Knüllbahn (Treysa – Bad Hersfeld: 1907 – 1984) von Treysa bis Wahlshausen ausgebaut ist. Der Knüll wird auch als „kleiner Bruder“ des Vogelsbergs bezeichnet. Die Bahnstrecke überquert tunnelfrei mit max. 2,8 % Steigung die 220 m Höhenunterschied, was weite Schleifen erforderte und schöne Ausblicke ermöglicht. Das Dorf Olberode liegt am Scheitelpunkt der Bahntrasse auf 420 m ü. NN.
Etappenbericht
Nach guter, lauer Sommernacht in moderat belegten Seminarräumen, auf Liegematten unter Bäumen oder in Zelten oder auch in Hängematten zwischen Pfosten zeigte sich wieder ein sonniger Sommermorgen.
Die Tour fuhr aus Treysa hinaus in Richtung Osten. Bald schon wurde der Einstieg in den Bahnradweg erreicht, für den es nur noch die Eskorte von drei Polizeimotorrädern gab. Also Bahntrassenradeln vom Feinsten, denn der Untergrund war bestens asphaltiert, die Steigung erträglich und die gelegentlichen Rastplätze und vor allem die Ausblicke grandios.

Auf dem Bahnradweg Rotkäppchenland Am Ortsrand von Neukirchen wurde die erste Pause eingelegt. Hier wird eine erstaunliche Infrastruktur bereit gehalten: ein großer Kinderspielplatz, Bänke, ein Toilettenhaus, ein Pumptrack und Skating-Parcour, eine Blühwiese und ein kleines, mäanderndes Bächlein.

Kneipp-Pause am Rastplatz Neukirchen 
Ausblick vom Radweg auf den Knüll 
Das Erbe der einstmaligen Bahntrasse: (etliche) kreuzungsfreie Querungen Der geringe, aber doch stetige Anstieg dauerte noch bis zum Mittagshalt an. In Olberode, am Alten Bahnhof, hatten Wam und Mitarbeiter:innen die Küche aufgebaut und eine Mittagsmahlzeit vorbereitet. Für alle die, die mehr brauchten, war zudem eine Restauration verfügbar.

Mittagspause am (ehemaligen) Bahnhof von Olberode Hinter Walshausen endigt der ausgebaute Teil des Radwegs. Weiter wurde auf Landstraßen geradelt – ins Tal der Fulda hinein. Von dort war es dann nicht mehr weit bis zur Siedlung Richthof, die oberhalb von Unter-Wegfurth liegt.
Gudrun Gabriel gab eine Führung durch die Einrichtungen und den Park vom Richthof. Die Lebensgemeinschaft im benachbarten Sassen war 1968 gegründet worden von Hanno Heckmann und Doris und Kurt Eisenmeier, als anthroposophisch inspirierte Lebensgemeinschaft, in der Menschen mit Assistenzbedarf (aufgrund geistiger Behinderung) nach der Schulzeit wohnen und tätig sein können. 1970 ist der Richthof dazu gekauft worden, da die Nachfrage nach Plätzen in Sassen übergroß geworden war, binnen sehr kurzer Zeit. Am Richthof und und in Sassen leben bzw. arbeiten insgesamt ca. 200 Menschen.

Führung über den Richthof Es gibt mehrere Werkstätten (Dorfmeisterei, Tischlerei, Gärtnerei, Parkgruppe, Töpferei, Weberei) und einen großen Landschaftspark, der Ende des 19. Jhs angelegt worden ist. Unterhalb des Schlosses und Wirtschaftsgebäudes sind weitere Gebäude dazu gebaut worden. So ist z. B. das Aula-Gebäude dazu gekommen, gestaltet im Stil des organischen Bauens, das auch von Waldorfschulen genutzt wird. Auch ein Pflegehaus ist erbaut worden, in dem Bewohner leben und damit in dieser Einrichtung bleiben können, wenn sie krank und/oder gebrechlich geworden sind. Für Mitarbeiter im Ruhestand, die in der Gemeinschaft verbleiben möchten, ist eine Wohngruppe eingerichtet worden.

Aula des Richthofs Ungefähr 10 bis 12 Menschen mit Assistenzbedarf leben in je einem der insgesamt 12 Familienhäuser zusammen. Das Vorbild dazu gaben die Camphill Gemeinschaften, die zunächst in England von Karl König gegründet worden sind.
Für die Kinder der Mitarbeiter wird oft die Waldorfschule in Fulda gewählt, die ca. 35 km entfernt in Loheland liegt. Fahrgemeinschaften der Eltern reduzieren den Transportaufwand.
Auf dem Richthof leben mehr Menschen als im benachbarten Dorf. Für eine Busanbindung des Richthofs wird seit mehreren Jahren gekämpft, hoffentlich demnächst mit Erfolg.
Die in den Werkstätten gefertigten Produkte können auch direkt nebenan im Werkstattladen angeschaut und erworben werden.
Am Abend fand in dem sehr schön gestalteten Veranstaltungssaal das Mittelplenum statt. Hier werden all die Menschen vorgestellt, die sich für die Vorbereitung und Durchführung der TdN engagieren und somit „einen Hut“ tragen, dafür leichter in der Gruppe findbar werden – und von allen dafür freundlich bedankt werden.
