Freitag, 2. August 2019, vierzehnter Tag der TdN 2019: Exkursionstag

 

Vom Quartier aus startete am Morgen eine Exkursion auf den Darß, dieses einzigartige Naturschutzgebiet zwischen dem Fischland im Westen und der Zingst im Osten, nördlich der Vorpommernschen Boddenlandschaft gelegen, bestanden von urwüchsigem Wald und zugleich mit den Stränden von Prerow eines der beliebtesten Urlaubsziele an der Ostsee, auch schon und ganz besonders zu DDR-Zeiten.

Die Etappe bis Prerow zu radeln, fand als gemeinsame Aktion mit der Bürgerinitiative „Keine Bahn ist keine Lösung“ statt. Etliche ihrer Mitglieder nahmen zusammen mit den Radlern der Tour de Natur daran teil. Den ersten Infostopp gab es am ehemaligen Bahnhof von Bresewitz, der weit außerhalb des Dorfes mitten in den morastigen Wiesen gelegen ist. Bei der Fahrt durch das Dorf fiel ein Banner auf, das gegen die Reaktivierung der Darßbahn votiert, mit dem Hinweis über übermäßige Kostenbelastung für das Dorf.

Die Tourteilnehmer hörten auf dem Bahnhofsgelände von Frau Schibilski, die wiederum für die Bürgerinitiative „Keine Bahn ist keine Lösung“ sprach, dass die BI keine gravierenden Hindernisse mehr sehe für eine Umsetzung des Projekts. Immerhin habe sogar eine Ortsbegehung mit dem Bahnvorstand Pofalla hier stattgefunden, der sich für eine Mitfinanzierung des Vorhabens durch die Bundesregierung ausgesprochen habe. Auf der Landesebene werde jedoch das Vorhaben nicht hinreichend energisch angegangen.

Der Streckenabschnitt hier in Bresewitz ist insofern von besonderem Interesse, als dass auch die 750 m lange, geständerte Klörbrücke so wie die gesamte Teilstrecke von Barth bis Bresewitz noch immer hinreichend funktionsfähig ist. Die alte, den Auto- und Bahnverkehr auf einer Fahrspur führende Meininger Brücke ist 2012 stillgelegt und durch eine daneben errichtete, zweispurige und einen Rad- und Fußweg aufnehmende Pontonbrücke ersetzt worden. Für diese Straßenbrücke muss ein Neubau geplant werden, der eine zusätzliche Bahntrasse umfassen könnte und den Ostseeküstenradweg auf abgetrennter Fahrbahn aufnehmen müsste.

Kundgebung am einstmaligen Bahnhof von Bresewitz

Auf der Weiterfahrt querte die Exkursionsgruppe genau diese Brücke, deren enge Fahrbahn auch den Autoverkehr ausbremst. Letztgenannter, davon konnten sich die Tourteilnehmer während der Parallelfahrt zur Kreisstraße überzeugen, ist extrem. In beiden Richtungen sind viele PKWs unterwegs, zumeist mit auswärtigen Kennzeichen, vermutlich also Touristen. Alle Redner auf den hiesigen Veranstaltungen der Tour de Natur sprachen diese Problematik an. Die östliche und bevorzugte Zufahrtsstraße zu den Regionen Darß und Zingst führt von Barth zum Bodden und dann weiter nach Zingst und Prerow. Eine Reduzierung des sommerlichen Verkehrsaufkommens ist dringend nötig; unstrittig ist, dass die Darßbahn dazu einen Beitrag leisten kann.

Die gesperrte Eisenbahn- und die von Kraftfahrzeugen und Radlern benutzte Ersatzbrücke

Vor dem alten Bahnhof in der Stadt Zingst, der schön hergerichtet die Touristeninformation und ein Restaurant beherbergt, gab es eine Kundgebung mit dem Bürgermeister der Stadt, der sehr differenziert und auf hohem fachlichen Niveau das Projekt der Darßbahn-Planung erläuterte.

Kundgebung vor dem einstmaligen Bahnhof von Zingst

Weiter ging es nach Prerow. Am dortigen alten Bahnhof, in dem ein Restaurant betrieben wird, fand eine Kundgebung statt, auf der nochmals die Pantomime „Den Stein ins Rollen bringen“ gezeigt wurde. Renée trug wiederum das Darßbahnlied vor. Und abschließend schilderte der Bürgermeister die bemerkenswerte Geschichte der Darßbahn, die erst kurz nach der Jahrhundertwende (1910) in Betrieb genommen worden ist. Das Betrieb des oberen Astes der Bahn wurde schon 1945 beendet, als die Gleise im Rahmen von Reparationsleistungen für die Sowjetunion abgebaut wurden. Die DDR betrieb die Wiederverlegung der Gleise und reaktivierte die Bahnstrecke bis zum Bahnhof von Bresewitz – für Militärtransporte zum Truppenübungsplatz auf der Zingst.

Die Mittagspause fand auf die freundliche Einladung des Pastors Reinhard Witte an der Kirche und im schönen Pfarrgarten statt.

Mittagspause an der Kirche von Prerow

In Zingst teilte sich die große Gruppe auf. Etliche Tourteilnehmer radelten durch den wunderbaren (Ur-)Wald zum Leuchtturm von Prerow. Andere nutzten die Gelegenheit zu einem kurzen Bade- und Strandurlaub in Prerow. Für die Rückfahrt nahmen einige die Fähre über den Bodden.

Am Abend fand das Abschlussplenum statt. Hier wurden manche Einzelheiten gelobt, einige kritisiert, und insgesamt zeigte sich vielfach Dankbarkeit für die Vorbereitungsarbeit und die toutbegleitende Organisation.

Abschlussplenum in der Vineta-Arena von Barth

Astrid teilte einige Gesamtteilnehmerzahlen mit. Von 210 in 2017 stiegen diese auf 242 in 2018 und erreichten in diesem Jahr 261. Auf dieser Tour gab es auch einen Teilnehmertagesrekord, und zwar in Hitzacker: 190!