Von Karlsruhe nach Heidelberg: Ein Besuch beim AKW Philippsburg und beim Motodrom in Hockenheim

Zehnter Tag der Tour den Natur 2017. Regenschauer waren angesagt – und blieben aus. Eine Strecke von 66 km war zu radeln, was die 130 Radler mit mehreren Pausen gut bewältigten.

Die direkte Zufahrt zum AKW Philippsburg war der TdN untersagt worden. So gab es stattdessen den Blick auf die beiden sehr hohen Kühltürme und eine Protestveranstaltung auf dem Marktplatz von Philippsburg.

AKW

Block I des Kernkraftwerks ist bereits außer Betrieb genommen und soll abgerissen werden. Es bleibt „unter anderem“ aber noch ein „kleines“ Problem zu lösen, für das es bislang wohl keine Lösung zu geben scheint. Mehrere Brennstäbe in Block I waren und sind geborsten und konnten nicht außengelagert werden. So verbrachte man diese in Block II, dessen Restlaufzeit noch bis 2022 andauert. Aber wie demnächst oder spätestens dann diese strahlungsintensiven Objekte „entsorgt“ werden können, ist „unklar“. Hier scheint ein nicht erwarteter „Störfall“ vorzuliegen, der es auf nicht absehbare Zeit unmöglich macht, das Reaktorgefäß von Block II außer Betrieb zu nehmen. Im Übrigen wird auch für dieses AKW gelten, dass die Entsorgung der hochradioaktiven Teile und der Abriss der Gebäude eine größere Strahlungsmenge freisetzen werden, als während der gesamten Betriebszeit aufgekommen ist. Das sind wirklich schlechte Nachrichten für die Region und massivste Argumente gegen die Nutzung der AKW-Technologie. Das AKW wird von EnBW betrieben und befindet sich somit im Besitz des Bundeslandes Baden-Württemberg.

Für die Mittagspause war die TdN eingeladen, auf den Wiesen des Anglervereins am Ufer des Freyer-Sees bei Philippsburg zu lagern. Das „Wegschauen“ konnte hier geübt werden: Die Kühltürme des AKW sind gut sichtbar und stören das schöne Bild, das dieser idyllische See dem Betrachter bietet.

Am Nachmittag besuchte die TdN die Stadt Hockenheim. Auf dem großen Marktplatz sprach zunächst Adolf Härtler, Mitglied der Fraktion der Grünen im Kreistag, über die Entstehung und den Umbau des sog. Hockenheimrings. 1932 wurde diese Automobilrennstrecke als „Arbeitsbeschaffungsmaßnahme“ erbaut. Späterhin erhielt sie den Namen „Motodrom“ und diente unter anderen auch als Formel-I-Rennstrecke. Der Umbau der Gesamtanlage erfolgte in den 2000er Jahren und sollte deren Attraktion für Besucher ebenso steigern wie die Sicherheit der Rennfahrer. So wurden 32 Mill. Euro investiert – auch, um beträchtliche Baumbestände am Rande der Strecke abzuräumen, was erstaunt, den das Motodrom liegt mitten in einem „Waldschutzgebiet“. Das „Ende“ des Motodroms ist wohl schon 2018 erreicht; die nachfolgende, sinnvolle Umnutzung stellt die Stadt vor eine anstehende Großaufgabe. Mit einem kleinen Theaterstück erinnerten anschließend einige Tourmitglieder an die geniale Erfindung von Karl Drais, dessen Laufrad (und das Fahrrad als Nachfolger) die Energieeffizienz von Automobilen bei weitem überbieten.

Hockenheim

Am Motodrom entlang ging es weiter in Richtung Heidelberg, wo die dortige Waldorfschule der TdN ein sehr ansprechendes Quartier bot.

Waldorfschule Heilbronn

Am Abend feierte die TdN ihr „Draisfest“ in der Mensa der Waldorfschule – mit zwei Musikgruppen, einer szenischen Darbietungen von Martin Hauge zum Lebenswerk von Karl Drais und mit fröhlichem Volkstänzen.