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Vorpommern weltoffen und bunt, Kundgebung in Pasewalk

Auf dem Marktplatz bekommt der Bürgermeister Unterschriften überreicht, NDR-Fernsehen begleitet uns zum Widerstand gegen Rechts nach Viereck. Baden - Baden und Alternative Energieerzeugung.

Bei Temperturen um die 30 °C kommen wir heute ganz schön ins Schwitzen. Die ersten zwei Info-Stopps können uns hier auch nicht kühlen. Zunächst gilt es die Wasserstoff-Biogas Pilot-Hybrid-Anlage in Prenzlau zu besuchen. Mit 500 kW Leistung kann hier der Windstrom in Wasserstoff umgewandelt werden um in der Biogas-Anlage verstromt zu werden, oder im Gasnetz beigemischt zu werden. Im Anschluss können wir in die Röhre gucken: Von unten in den Turm einer E-82 Windkraftanlage. 

Am Paddelplatz an der Ucker baden und entspannen wir uns, bevor wir auf dem Markrplatz von Pasewalk den örtlichen Zusammenschluss gegen Rechts tatkräftig unterstützen. Das breite zivilgesellschaftliche Bündnis „Vorpommern: weltoffen, demokratisch, bunt!“ ruft zu friedlichem Protest gegen das sog. „Pressefest“ des rechtsextremen Verlages „Deutsche Stimme“ auf, welches für den 11. August zwischen Pasewalk und Viereck geplant ist. Hier kommt unsere Tour wie gerufen, um Aufmerksamkeit auf das Bündnis zu lenken. Der NDR filmt uns kurz nachddem wir den geplanten Veranstaltungsort in Viereck verlassen, blitz, donnert und grummelt es. Wir haben aber Glück und werden unter den Regencapes vor allem schweißgebadet.

Endmoränenlandschaft - Kopfsteinpflaster - Alleen und schlummernde Bahnhöfe

 

Kaum gestartet in Angermünde folgte ein ausgedehntes Morgenplanschen im See, in Haßleben ging es ums verhindern der gehaßten größten Schweinemastanlage Deutschlands sowie die Reaktivierung des schlummernden Bahnhofs, ein schöner Tag der nun in Prenzlau im offenen Abend ausklingt.

 

Die letzten Züge Brandenburgs hatten es in sich: So schön die Endmoränen der Eiszeit auch die Landschaft geformt haben, nach einer Abfahrt kam auch immer wieder der nächste Anstieg. Besonders schön machen sich in dieser Landschaft die endlosen Sonnenblumenfelder vor Gerswalde, wo wir zur Mittagspause waren. Die Kerne werden zu Öl gepresst, während der Pflanzenrest in die Biogas-Anlage wandern darf; wie wir von einer Passantin vor der Bäckerei erfahren. - Allemal schöner als Mais-Monokulturen; sicher kein Persilschein für Biogas-Anlagen.

Unklar war bis zum Schluß, wie eine Autofahrerin auf der Bundeststraße nach Prenzlau in die Gruppe geraten konnte. Auf jeden Fall jagte sie einigen von uns einen gehörigen Schrecken ein.

Drei Höfe und eine Bahnstrecke

Nach einem Aktionstag in Eberswalde: Folgten heute Aktionen an drei Höfen und einer Bahnstrecke bis wir den Abend in Krekow/ Angermünde mit Diskussionen und Lagerfeuer ausklingen lassen. Kurz nach unserem Aufbruch in Eberswalde erreichten die mittlerweile 120 RadlerInnen das Kloster Chorin, Namesgeber für das Biosphärenreservat Schorfheide Chorin. Schnell darauf erstrampelten wir uns in sonnigem aber nicht zu heißem Wetter das Ökodorf Brodowin.

Neben unser Mittagspause, bekamen wir auf diesem Demeter-Bio-Hof eine umfassende Führung mit den informativen Hintergünden, zur Haltung der Tiere, das die Milch hier pasteurisiert und nicht homogenisiert wird und zu den Käsesorten die in der Hofeigenen Meierei verkäst werden. Aus der ehemaligen LPG sind heute 1250 ha übrig. 78 Mitarbeiter versorgen 250 Milchkühe mit Nachzucht, 5 Bullen, die der Herde selbst bis in den Melkstand folgen.

 

Milchviehbetrieb Dobbe in Schmargendorf bot soviel himmelstinkenden Kontrast, dass das Touren-Theater die Aufführung von Bauer Klein und seinen mutigen Kühen zeigte. Der Betrieb will am Rande und innerhalb des Schutzgebietes Schorfheide Chorin seine Milchkühe von 600 auf 1600 aufstocken. Schon bei der hollprigen Anfahrt saßen einige Betriebsangehörige wie Späher auf dem über 5 m hohen Silageberg. Die Einzelheiten führte  Frau Dr. Schwaier vom Verein Zubila aus. Der Protest  brauchte auch hier dringend die Unterstützung der Tour de Natur-

 

...und weiter durch Brandenburg...

Seit Sonntagmittag radelt die Tour de Natur wieder durch Brandenburg, nach einem Zwischenstopp in der Hauptstadt. Der Regen kühlte die Sonnenbrände und ließ uns aber nicht verdrießlich sein. Denn es gab wieder wichtige Themen entlang der Strecke. Erste Station war Ahrensfelde, wo gleich zwei Themen den Bürgern unter den Nägeln brennen. Hier soll nämlich CO2 verpresst werden, gelbe Kreuze, wie man sie aus dem Wendland kennt, machen den Widerstand sichtbar. Außerdem steht auch hier ein unsinniger weil überdimensionierter Ausbau der Bundesstraße an.

Auf dem Weg nach Eberswalde besuchen wir auch den Höfeladen in Bernau, der Produkte aus der Region vermarktet und die Menschen wieder näher an die Landwirtschaft bringen möchte. Auch das Projekt Wukania zeigt die Energie, Alternativen zu schaffen.

Apropos Energie: in Eberswalde setzten sich die Radler gegen die Uckermarktrasse ein, die nur als Transit-Stromautobahn für polnischen Kohle- und zukünftig vielleicht auch Atomstrom dienen soll.

Am Abend gab es eine hochkarätig besetzte Podiumsdiskussion zu Sackgassen und Chancen der Energiewende - vielen Dank an die Hochschule für die Durchführung dieser interessanten Diskussionsveranstaltung!

Berlin, Berlin...

kundgebung in Kreuzberg gegen die A100Nach einer Nacht mit heftigem Gewitter in Falkensee brechen wir auf und steuern zuerst zwei neuralgische Punkte an der geplanten Nordumfahrung Falkensee an. Dort kommt die geplante Schnellstraße an Wohnbebauung heran, würde Naherholungsgebiete am See extrem verlärmen und die Natur hier zerschneiden.

Weiter geht es entlang der Einfallsstraße nach Berlin-Spandau, viele Autospuren breit. Daneben ein schmaler Radweg, direkt neben parkenden Autos und an jeder Einmündung droht eine potentielle Unfallquelle. Diese Verteilung ist typisch. Obwohl in Berlin nur eine Minderheit der Haushalte ein Auto nutzen, bekommen die Autofahrer den größten Teil des öffentlichen Raumes geschenkt.

Nach der Mittagspause neben dem Ökowerk am Teufelsee radeln wir ins Zentrum und machen bei den zahllosen Passanten auf unser Anliegen aufmerksam. In Kreuzberg gegenüber des S- und U-Bahnhofs Schlesisches Tor machten wir zusammen mit der Bürgerinitiative gegen den Stadtring Süd (BISS) eine Kundgebung, da hier die Verlängerung der Stadtautobahn A 100 geplant ist. Mit dabei der Bürgermeister von Friedrichshain-Kreuzberg Franz Schulz, der sich ebenfalls gegen dieses Autobahnprojekt ausspricht.

Jetzt sind die rund 120 Radler im Quartier in der Kiezspinne eingetroffen und warten gespannt auf das Konzert von Heinz Ratz mit seiner Band, das zum Glück im Saal stattfindet, da das Wetter sich in Berlin nicht von der besten Seite zeigt. Hoffentlich meint es Petrus morgen wieder gut mit uns, wenn die Tour weitergeht nach Eberswalde.

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