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Freitag, 03.08.2018: Vierzehnter Tag der Tour de Natur – von Pödelwitz nach Leipzig (40 km)

Wie frühstücken mehr als tausend Menschen auf einer Wiese, wenn sie die Sorge für eine lebenswerte Zukunft zusammenbringt? Im Klima-Camp ergaben sich zum Beispiel solche Szenen.

Veganes Frühstück mit Schattenplatz auf dem Klima-Camp

Plakat in Pödelwitz

 

An diesem Morgen verabschiedete sich die Tour de Natur vom Klima-Camp, das zum Ende des Camps am Wochenende einige Aktionen gegen die Kohleverstromung vorbereitet. 

Im großen Kreis wurden auf dem Dorfplatz von der Tour de Natur die heute abreisenden Mitfahrer verabschiedet. 

Verabschiedung der abreisenden Tourmitglieder auf dem Dorfplatz in Pödelwitz

 

Donnerstag, 02.08.2018: Dreizehnter Tag der Tour de Natur – Klima-Camp in Pödelwitz

Das Frühstück im Klima-Camp war bestens organisiert von Fläming Kitchen, die hier für 1200 Personen alles bereit stellt, was diese essen und trinken einschließlich des Geschirrs. 

Das morgendliche Plenum fand im Großzelt statt. Hier gibt es auch eine technisch prima ausgestattete und von multilingualen Campmitgliedern besorgte Simultanübersetzung ins Englische und Spanische. Das ist ein grandioser Service! Wobei man auch fragen könnte, ob nicht alle Teilnehmer schon dadurch miteinander kommunizieren könnten, wenn die vermutlich bei allen oder fast allen vorhandene Sprachfähigkeit im Englischen genutzt würde. Aber: eine solche Veranstaltung in Deutschland durchweg auf Englisch?

Simultanübersetzung für das Plenum im Großzelt

 

Danach verteilten sich die Teilnehmer auf die zahlreichen, parallel angebotenen Workshops, die Themen behandelten wie Kohlepolitik, Aktionsformen, Rechtsberatung, alternative Garten- und Landwirtschaft oder Feminismus. 

Wenn man über das Gelände geht, sieht man zahlreiche Großzelte, viele junge Erwachsene, einige Ältere, einige Kleinkinder. Man hört mehrere Sprachen, meistens Deutsch, aber auch Englisch und Spanisch. Es gibt über zehn Großzelte, die für Workshops genutzt werden und die nachts den Teilnehmern der Tour de Natur als Quartier zur Verfügung stehen. Ein Pressezelt ist ebenso eingerichtet wie ein Sanitärzelt, und selbstverständlich gibt es auch ein Informationszelt mit Anmeldebüro.

Mittwoch, 01.08.2018: Zwölfter Tag der Tour de Natur – von Halle nach Pödelwitz (70 km)

So kann ein Tag gut beginnen: Frühstücksmüsli von Zain, pünktlich präsentiert um 8 Uhr. 

 

Die Ausfahrt aus Halle verlief etwas stockend. Es ist nicht einfach, eine solch große Gruppe von Radfahrern durch jene Straßen zu lotsen, in denen Straßenbahngleise recht nah zum Hochbord liegen. Hier muss dann in Einzelreihen gefahren werden, was durch das Einfädeln wiederum ,Stau‘ für die Radler verursacht. 

Ausfahrt aus Halle über die Magistrale (Foto von live-portraits, kassel)

 

Es gab auch mehrere kleine Malheurs, die aber allesamt glimpflich verliefen. Das Radeln in der Großgruppe verlangt doch beträchtliche Konzentration, um das Auffahren zu vermeiden. Insbesondere darf man nicht sofort abbremsen, wenn man zum Beispiel einen Gegenstand verloren oder eine Panne hat. Auch dafür gibt es eine Regel, an die morgens erinnert wird: die Schlussfahrer sammeln alles auf bzw. helfen, wenn man am Rand wartet.

Das Wetter war gut fürs Radeln, also warm, aber nicht heiß. Die Tour radelte nun in Richtung Süden und konnte sich somit in dem weiten Tal der Saale umschauen, das bei Leuna eine riesige Industrielandschaft ist und schon zu DDR-Zeiten war, in der es damals mehrere Zehntausend Arbeitsplätze gab, von denen nach der Wende nur noch ein Bruchteil bestehen geblieben ist. Spektakulär war der Verkauf der Raffinerieanlagen an den französischen Konzern Elf, für eine D-Mark. 

Dienstag, 31.07.2018: Elfter Tag der Tour de Natur – Exkursionstag in Halle

 

Der Aufenthalt in Halle umfasste zwei Tage. An dem heutigen zweiten Tag fanden mehrere Exkursionen und Workshops statt. Und das alles bei ca. 36 Grad im Schatten, also bei bestem Wetter, aber vor allem dann so empfunden wurde, wenn man sich im Schatten aufhalten konnte.

Um 10 Uhr startete die Exkursion zum Umweltzentrum Franzigmark, das oberhalb der Saale zwischen Halle-Trotha und Brachwitz liegt. Maud arbeitet als Biologin in diesem Zentrum und führte uns durch diese faszinierende Heidelandschaft, die eine besondere Vegetation aufweist. Der karstige Untergrund, die geringen Niederschläge und die Beweidung mit Schafen und Ziegen lässt große Trockenrasenflächen entstehen und bestehen, also eine Kulturlandschaft. Hier wachsen angepasste Pflanzen, die wiederum als Wirte für Schmetterlinge und andere Insekten fungieren.

Fahrt hinein in die Franzigmarker Heide

 

Bei unserer Rundfahrt bzw. dem Rundgang durch das weitläufige Gelände gab es immer wieder Freudenäußerungen, wenn die eine oder andere Pflanze wiedererkannt wurde bzw. einige der zuvor beschriebenen Schmetterlinge identifiziert werden konnten. Und es gab in diesem stark hügeligen Gelände auch einige Stellen, von denen man einen herrlichen Weitblick hat.

Blick über die Heide und das Saaltal bei Wettin

 

Montag, 30.07.2018: Zehnter Tag der Tour de Natur – von Röblingen nach Halle (55 km)

Die Tour de Natur startete heute schon morgens bei höchstsommerlicher Hitze. In Richtung Saale verlief die Strecke, auf der ein etwas längerer Anstieg zu bewältigen war. Auf der Anhöhe angelangt gab es einen Info-Halt in den Feldern zur dort geplanten Trasse der A 143. Solch ein Halt in praller Sonne ist nicht gerade angenehm, aber gleichwohl interessant. Die Tourteilnehmer erfuhren, dass genau hier durch diese Feldmark, die ohne intensive Landwirtschaft inklusive Düngereinbringung eine Heidefläche wäre, die Autobahntrasse gebaut werden soll. Die Kosten für das nur 12 km Streckenstück liegen zwischen 250 und 340 Millionen Euro. Können wir uns das vorstellen: Für einen (in Zahlen: 1) Kilometer vierspurige Straße, deren Notwendigkeit mehr als fraglich ist, sollen 25 Millionen Euro ausgegeben werden? Das sind ungefähr die Kosten von zwei größeren Schulen oder vier großen Kindertagesstätten. Anstatt also 50 große Kitas zu finanzieren, sollen schützenswerte Muschelkalkhänge überbaut werden und Ackerflächen wie diese, auf der sich die Tour just befand, verschwinden. Wenn man hier steht und Radfahrer ist, kann man sich solch ein Vorhaben nur als Irrsinn erklären. Die Bürgerinitiative gegen diesen Autobahnbau wollte zusammen mit dem NABU ein Klageverfahren durchhalten, aber jener Naturschutzverband ist ausgestiegen, weil er die Klage für aussichtslos hält. Die Auflagen des Naturschutzes würden hinreichend erfüllt. Ist das nicht auch Irrsinn? Jetzt läuft eine private Klage wegen Geschäftsschädigung eines Unternehmers, der im Baugebiet eine Rohstofffirma (Förderung von Kaolin, Rohstoff für Porzellan) betreibt.

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