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Dienstag, 30. Juli 2019, elfter Tag der TdN 2019: Bastorf – Rostock (53 km)

 

Es sah am Morgen wie Hochnebel aus, bei milden 23 Grad. Jedoch: Der Himmel blieb untertags verhangen; es gab einige leichte Regenschauer, keine Sonne, hingegen durchweg Rückenwind und somit für das Radfahren gar nicht so schlechte, nach den heißen Vortagen eher sogar etwas erholsame Bedingungen.

Die Route verlief in Richtung Osten mit einigem Abstand zur Wasserfront. Den recht mondänen Badeort Kühlungsborn durchquerte die Tour de Natur nur in den Randbereichen. Zu sehen war jedoch eine der besonderen Verkehrsattraktionen der Region: „Molli“, die Mecklenburgische Bäderbahn, die zwischen Bad Doberan über Heiligendamm nach Kühlungsborn verkehrt, als Schmalspurbahn mit Dampflokbespannung.

Schon seit vielen Jahrzehnten hat diese Bahnstrecke keine Funktion mehr im ÖPNV, sondern „nur“ noch als touristische Attraktion. Eine interessante Frage müsste dazu beantwortet werden: Kann solch eine Kohlebefeuerung und weitgehend ungefilterte Rußemission ökologisch gerechtfertigt werden mit dem Argument, dass umsatzbringende Touristen attrahiert werden?

Die Mecklenburgische Bäderbahn „Molli“ weist die Tour de Natur vor ihre Schranken

Und gleiches tut der Gegenzug

Montag, 29. Juli 2019, zehnter Tag der TdN 2019: Wismar – Bastorf (43 km)

 

Nach guter Nacht im Dorf Zierow brach die Tour de Natur zunächst in das Hafengebiet von Wismar auf, vorbei an der riesigen Schiffbauhalle der MV-Werft, in der Kreuzfahrtschiffe gebaut werden. Was unter ökologischen Gesichtspunkten von diesen beliebten Urlaubsreisen zu halten ist, wird von vielen Menschen ignoriert. Im Gegenteil: diese Branche boomt nach wie vor.

Zumindest einige technische Errungenschaften müssten endlich auch für diesen Schiffbau genutzt werden, insbesondere der Verzicht auf schwerölbefeuerte Motoren. Diese haben einen extrem hohen Schadstoffausstoß, der auch während der Liegezeiten in die Hafenstädte eingeblasen wird. Landstromversorgung wäre eigentlich ein Muss, aber darauf verzichten viele Hafenstädte, um mit niedrigen Liegekosten die Kreuzfahrer in ihre Häfen zu locken.

Ob die zumeist sehr essfreudigen Kreuzfahrer wissen, dass sie unterwegs auf dem Schiffsdeck einer starken Rußbelastung vom Schornstein ihres ,Dampfers‘ ausgesetzt sind, die sie von ihrem Nachbarn niemals akzeptieren würden? Und ob sie wissen möchten, dass die großen Mengen von Nahrungsmitteln, die sie trotz oben vierfachtäglicher Esslaune nicht verzehren, vernichtet werden? Aber Reisen bildet ja bekanntlich, und so ist es vielleicht doch nur ein Frage der Zeit, bis diese Umweltbildung ihre entscheidungsrelevante Wirkung entfaltet.

Ein Dampfer auf Kreuzfahrt (Foto: NABU)

Sonntag, 28. Juli 2019, neunter Tag der TdN 2019: Schwerin – Wismar (48 km)

 

Wie kann ein Frühstückstisch auf der Tour de Natur aussehen? An diesen Tag zum Beispiel so:

 

 

Frühstück zubereitet von Fläming Kitchen

Und wie erholen sich die Tourordner während eines Pausenstops? Zum Beispiel so:

 

Pause

Bei sonnigem, aber nicht zu heißem Wetter startete die Tour de Natur in Richtung Norden; von Schwerin aus in Richtung Wismar. Der erste Infohalt fand am Bahnhof von Bad Kleinen statt. Markus informierte darüber, dass hier viel Geld ausgegeben worden ist, um den schönen, alten Bahnhof abzureißen und neue Bahnsteige und Überwege zu den Bahnsteigen dieses Kreuzungsbahnhofs zu bauen. Der neue Bahnhof ist unlängst in Betrieb genommen worden.

Samstag, 27. Juli 2019, achter Tag der TdN 2019: Ludwigslust – Schwerin (55 km)

Bei nicht zu heißem Wetter, mit beträchtlichem Seiten-, fast schon Rückenwind ging die Tour de Natur auf ihre heutige Etappe. Die erste Station fand in der Feldmark außerhalb von Ludwigslust statt und zwar auf einem recht großen Feld der Firma „Sanddorn Storchennest“. Deren Betriebsleiter Frank Spaethe erläuterte den Tourteilnehmern diese Form der biologischen Fruchtwirtschaft.

Die Entstehung schildert auch ein Stück DDR-Geschichte und Landwirtschaftsplanung. Da Zitrusfrüchte fast nur gegen Devisen einzuführen waren, entstand in der DDR die Idee, den einen hohen Vitamin-C-Gehalt aufweisenden Sanddorn anzubauen. Dazu wurden in Zusammenarbeit mit der Berliner Humboldt-Universität Versuche durchgeführt und schließlich hier in Ludwigslust eine GPG (Gärtnerische Produktionsgenossenschaft) gegründet, die Sanddornanbau und Früchteverarbeitung betrieb.

Nach der Wende wurden der Gutshof und die Sanddornfelder einer GmbH übereignet, die als Biobetrieb wirtschaftet und sich dem Verband „Biopark“ angeschlossen hat. Die Bodenfruchtbarkeit in dieser Region ist sehr gering (ca. 17 – 27 Bodenpunkte; zum Vergleich: Magdeburger Börde: 100), was für den Anbau der anspruchslosen Fruchtsträucher durchaus passend ist, falls, wie hier gegeben, ein recht hoher Grundwasserstand  vorhanden ist.

Freitag, 26. Juli 2019, siebter Tag der TdN 2019: Lenzen – Ludwigslust (34 km)

 

Ein herrlicher Sommertag hier an der Elbe im Städtchen Lenzen: Frühstück zwischen acht und neun Uhr für die Tour de Natur, mit Müsli mit Früchten und Brot mit veganen Aufstrichen und Marmeladen, dazu Kräuter- und Schwarzer Tee sowie Kaffee. Besonders gesucht waren die Schattenplätze, um dort das Frühstück einzunehmen.

Um 9:30 Uhr begann eine geführte Exkursion durch die Lenzener Elbtalaue, die neu ist: eine Ursprungslandschaft entsteht hier durch Rekultivierung. Die zur Rückgewinnung von Überflutungsflächen vorgenommene Rückverlegung der Deichlinie ermöglichte ein faszinierendes Experiment. Die Überflutungsflächen blieben nicht in der landwirtschaftlichen Nutzung, sondern wurden als Auenlandschaft gestaltet. Auf einer Fläche von 420 ha wurden Auengehölze angepflanzt (Weiden und Pappeln; Eichen, Eschen und Ulmen), sowohl in langen Reihen als auch in kreisförmigen sog. Truppen. In den zurückliegenden zehn Jahren sind ungefähr die Hälfte der Baumpflanzungen aufgewachsen (der andere Teil schaffte es aus unterschiedlichen Gründen nicht: „man pflanzt Auwälder viermal“), was nun auch deutlich als Flächengliederung zu sehen ist.

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