Die Tour de Natur startet in diesem Jahr in Hamburg, an einem herrlich sonnigen Sommertag mit  ca. 100 Teilnehmern, von denen einige schon am Vortrag angereist sind. Am ersten und zweiten Tag beschäftigt sich die Tour de Natur mit den verkehrs- und umweltpolitischen Problemen im Stadtstaat Hamburg bzw. in dieser Metropolregion.

Als erste Station ­­und Attraktion auch für die Tour de Natur wurde die Elbe durch den Alten Elbtunnel unterquert, ein 1911 eröffnetes Bauwerk, das seinerzeit den Hafenarbeitern einen raschen und witterungsunabhängigen, weil die Hafenfähren ersetzenden Zuweg zu den Arbeitsplätzen insbesondere auf den damals noch vorhandenen großen Werften ermöglichte. Der nur über Treppen und Fahrstühle zugängliche Tunnel war seinerzeit eine technische Sensation, die für sehr viel Geld  (15 Mill. Euro) von der Hamburg Port Authority saniert worden ist und heutzutage Radfahrern und Fußgängern eine recht praktische Elbquerung ermöglicht.

Radfahren und Fahrrademonstration unter der Elbe – im Alten Elbtunnel

 

Sonntagmorgen mitten in Hamburg in der Turnhalle des katholischen Gymnasiums in ignatianischer (d. h. jesuitischer) Tradition St. Ansgar: In der großen Turnhalle konnten die Tourteilnehmer gut schlafen, die Duschen lieferten warmes Wasser und die Stimmung war gut. Schön, dass die Tour de Natur in dieser Schule inmitten der Großstadt zu Gast sein konnte!

Am Vormittag fand das Anfangsplenum statt – eine wichtige Veranstaltung vor allem für neue Tourteilnehmer. Hier wurde die vielfältige Organisation dieser Radtour, die eine selbstorganisierte, basisdemokratische Fahrraddemonstration ist, sowohl humorvoll dargestellt als auch informativ erläutert. Für das Gelingen der Tour de Natur sorgt nicht nur die Vorbereitungsgruppe, sondern jeder einzelne Tourteilnehmer. Dazu gehört auch, dass sich Tourmitglieder für eine oder mehrere der Organisationsaufgaben zur Verfügung stellen. Im Toursprech: Es werden sog. Hüte verteilt, und wer einen solchen ,auf hat‘, der kümmert sich z. B. um die Tourmusik, die Pressearbeit oder um die mit einer Gruppe durchgeführte Hallenreinigung am Abfahrtsmorgen oder um die Schnippelgruppe, die am Nachmittag die Gemüsevorbereitung für das Abendessen übernimmt. Mithilfe beim Spülen wird immer spontan geleistet, eine täglich anfallende Aufgabe, an der sich jeweils mindestens sechs Touries beteiligen.

 

 

Bei warmem Sommerwetter startete die Tour de Natur in Richtung Nordosten und durchquerte dabei Vierlande, eine durch recht aufwändige Entwässerungseinrichtungen zur landwirtschaftlichen Nutzung gebrachte frühere Auenlandschaft der damals mäandernden und das Flussbett immer wieder verändernden Elbe. Auf dem Marktplatz von Bergedorf, dessen moderne Bebauung mit Einkaufszentrum und auf S-Bahnsteig hochgelegtem Busbahnhof, so gar nicht ,dörflich‘ wirkt, gab es eine erste Pause.

Die Tour de Natur pausiert in Bergedorf

Weiter geradelt wurde dann nach Geesthacht, einer Stadt am Elbhang. Für das Durchfahren der Innenstadt gab es keine Genehmigung der Ortspolizei. So entschlossen sich etliche Tourteilnehmer, eine private Exkursion zu unternehmen und radelten wie eine Critical-Mass-Aktion durch die wenig imposante Innenstadt, um dann mit den anderen Tourteilnehmern wieder zusammenzutreffen.

 

 

Ein herrlicher Sommermorgen erwartete die Tour de Natur auf dem Areal der Turnhalle Am Grimm. In der sehr großen Sporthalle ließ sich bequem übernachten und das weitläufige Außengelände bot schattige und fast schon lauschige Gelegenheiten zum Zelten.

Die erste Teilstrecke führte über 27 km in Richtung Südosten und brachte zwar sommerliche Hitze, aber auch eine schöne Landpartie. Die Göhrde ist das größte zusammenhängende Waldgebiet Norddeutschlands. Und so wurde immer wieder durch Waldungen geradelt, die kühlenden Schatten brachten, ebengleichen spendeten auch die Alleebäume entlang der Straße.

Mit einigen Zwischenstopps wurde die Stadt Dahlenburg erreicht, wo eine Pause eingelegt wurde. Einige Tourteilnehmer entschlossen sich, ab hier den Zug nach Hitzacker zu nehmen und damit der hochsommerlichen Hitze auf der Wegstrecke zu entgehen.

Pause auf dem Marktplatz von Dahlenburg

Nach insgesamt 38 km wurde auf schmaler Straße und mit leichtem Anstieg in das Waldgebiet hineingeradelt, um auf dem Demeter-Hof Tangsehl zur Mittagspause Rast zu machen. Die Hofgemeinschaft baut Gemüse (auf Freiland und in Gewächshäusern) und Kartoffeln nach den Richtlinien der biologisch-dynamischen Landwirtschaft (Demeter) an. Zudem werden Milchkühe gehalten und Kälber aufgezogen. Die Milch wird in der hofeigenen Käserei weiter verarbeitet.

 

Das Frühstück heute: im Schatten bei 23 Grad! Hochsommer also, ideal für die Zeltschläfer, wenn sie einen Schattenplatz gewählt hatten (genug davon auf dem weitläufigen Gelände der Waldorfschule vorhanden), und in den diversen, zu Schlaf- umgewidmeten Klassenräumen der Schule war es auch nicht zu warm.

 

(Zelt)Übernachtungsplätze auf dem Gelände der Waldorfschule

Am Vormittag führte die Tour de Natur eine Kundgebung auf dem Marktplatz in Hitzacker durch – mit einer Thematik, die hier unvermeidlich ist, weil in direkter Nachbarschaft verursacht. Atomkraftwirtschaft und Entsorgung von Atommüll: Gorleben lässt grüßen! Viele Widerstandsaktionen sind seinerzeit von Hitzacker aus gestartet worden.

In ihrer Ansprache begrüßte Jutta von der Bürgerinitiative „Widersetzen“ die Teilnehmer von der Tour de Natur und freute sich über deren Unterstützung.

 

Gestern abend gab es das wundervolle Konzert von Salossi. Diese "alten" RAK-Lieder hatte ich schon lange nicht mehr live gehört.
Wer kennt noch "Frau Meyer" vom Wahren Helmut?
Anschließend haben einige die unterhaltsame Schlange vor der einzigen Dusche der Waldorfschule Hitzacker gebildet.
Lange nach dem Ende des Konzerts kam noch die Staatsmacht vorbei. Keine Nachbarn weit und breit und eine Anreise von Lüneburg - egal, diese Ökos müssen wir zurechtstutzen. Diese Ökos hatten sich aber zum größten Teil schon in kleinen Schlafgemeinschaften in die Klassenräume zurück gezogen. Endlich mal ohne einen Schnarcher direkt nebendran.

Nach dieser erholsamen Übernachtung schnell ein Foto vom morgendlichen Mandala-Müsli schießen, bevor die wilden hungrigen Horden es seiner Bestimmung zuführen.
Also es auf die Teller schaufeln, um damit die Energiereserven für den Tag aufzufüllen.

Schnell noch ein Foto vom MandalaMandala - noch ganz

Denn heute gehts zum Kernschmelzpunkt des Anti-Atom-Wiederstands: zum Schwarzbau und der angrenzenden Kartoffelscheune. Diesmal ohne Castor und (fast) ganz ohne Staatmacht. Manch einer hat sich angesichts der Wettervorhersage vielleicht den einen oder anderen Wasserwerfer gewünscht. Aber auch bei den vorhergesagten 39 Grad im Schatten (Schatten, welcher Schatten?) macht eine so eilige Abkühlung nicht wirklich Freude.

 

 

Für heute waren 35 Grad im Schatten angesagt, eine ziemliche Herausforderung für eine 70 km lange Strecke. Die Fähre in Pevestorf ist wegen Niedrigwasser außer Betrieb; so mussten 18 zusätzliche Kilometer geradelt werden, um die Fähre in Schnackenburg zu nehmen. Eine Teilgruppe von ca. 50 Tourteilnehmern entschied sich, auf direktem Wege nach Lenzen zu radeln. So teilte sich die Tour in Dannenberg. Mehr als hundert Radler wählten die längere Strecke.

Der erste Stopp fand am sog. Castor-Verladebahnhof in Dannenberg statt. Viel war nicht zu sehen: Eine Halle für den Verladekrahn, Gleisanlagen und Umzäunung. Sigmund Schmaggel begrüßte die Tourteilnehmer an diesem bedeutungsvollen Ort und schilderte die Polizeieinsätze bei den Castortransporten. Kaum vorstellbar: In dieser Region waren mehr als 10.000 Polizisten stationiert. Die Dörfer in der direkten Umgebung des Verladebahnhofs wurden abgeriegelt, insbesondere Breese in der Marsch.

Infohalt am Castor-Verladebahnhof in Dannenberg

 

 

Ein herrlicher Sommertag hier an der Elbe im Städtchen Lenzen: Frühstück zwischen acht und neun Uhr für die Tour de Natur, mit Müsli mit Früchten und Brot mit veganen Aufstrichen und Marmeladen, dazu Kräuter- und Schwarzer Tee sowie Kaffee. Besonders gesucht waren die Schattenplätze, um dort das Frühstück einzunehmen.

Um 9:30 Uhr begann eine geführte Exkursion durch die Lenzener Elbtalaue, die neu ist: eine Ursprungslandschaft entsteht hier durch Rekultivierung. Die zur Rückgewinnung von Überflutungsflächen vorgenommene Rückverlegung der Deichlinie ermöglichte ein faszinierendes Experiment. Die Überflutungsflächen blieben nicht in der landwirtschaftlichen Nutzung, sondern wurden als Auenlandschaft gestaltet. Auf einer Fläche von 420 ha wurden Auengehölze angepflanzt (Weiden und Pappeln; Eichen, Eschen und Ulmen), sowohl in langen Reihen als auch in kreisförmigen sog. Truppen. In den zurückliegenden zehn Jahren sind ungefähr die Hälfte der Baumpflanzungen aufgewachsen (der andere Teil schaffte es aus unterschiedlichen Gründen nicht: „man pflanzt Auwälder viermal“), was nun auch deutlich als Flächengliederung zu sehen ist.